| Zwischenergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung |
| 4. Verankerung von Schulsozialarbeit in Schule durch Tandemfortbildung | |
Abb. 2: Ausgangssituation von Schulsozialarbeit
zu Modell C: Das gleiche Kooperationsmodell, das sich allerdings auf drei Lehrer/innen bezieht, die mit einer/m Sozialarbeiter/in eine Tandembeziehung eingehen. zu Modell D: Hier führen entwickelte Teamstrukturen einer Schule zu einer Einbindung von Schulsozialarbeit. Es kann sich um themenspezifisches Team handeln, wie z.B. Beartungslehrer/innen, Drogen, Gesundheit, oder um organisatorische Untergliederungen wie z.B. Klassenstufen. In diese Teamstrukturen findet Schulsozialarbeit leichter eine inhaltliche Verankerung zu Modell E: Schulsozialarbeit trifft in diesem Modell auf eine entwickelten Teamstruktur in der Schule, zum Teil untersetzt durch eine Schulprogramm, in dem Schulsozialarbeit als originäre Aufgabe durch die Schule selbst definiert ist. Durch die Einbindung der Schulsozialarbeiter/innen in vielfältige Aktivitäten des Kollegiums ergibt sich eine tiefe Verankerung und ein dauerhafter Prozess gegenseitigen Lernens. Ohne aktive Unterstützung der Schulleitung ist eine effektive Einbindung der Schulsozialarbeit in den schulischen Routinebetrieb nicht möglich. Es bedarf ihrer offiziellen Anerkennung als professionelles Handlungsfeld. Schulsozialarbeit muss gewollt und konzeptionell als ein Partner eingebunden sein, der zur Realisierung der spezifischen Schulziele notwendig ist. Die gemeinsame Fortbildung ermöglicht es, Vorurteile abzubauen und Verständnis für die Sichtweise der jeweils anderen Berufsgruppe zu gewinnen. Gemeinsame Fortbildungen von Lehrer/innen und Sozialarbeiter/innen können zur Entwicklung kooperativer Ansätze führen und besitzen daher ein höheres Problemlösungspotenzial in Bezug auf die wachsenden sozialen Problematiken in den Schulen. |
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| 5. Verbreitung/Strukturelle Veränderungen/Schulentwicklung | |
Innovationen, die in Modellprojekten entwickelt werden, bleiben wirkungslos, wenn sie nicht transferiert und außerhalb des modellhaften Experimentierrahmens Anwendung finden. Da die Förderung des IBBW-Weiterbildungsprojekts - wie bei Modellprojekten üblich – nicht flächendeckend und unbefristet angelegt ist, hängt der Erfolg des Projekts von den Strategien und Bedingungen zur Weiterführung und Verbreitung des Fortbildungsansatzes ab. Die wissenschaftliche Begleitung wird im verbleibenden Modellversuchszeitraum stärker den Zusammenhang zwischen den Ausgangssituation, der Teilnahme an einer Tandemfortbildung und Umsetzung danach in die Alltagspraxis untersuchen. Momentan fließen die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung in die laufenden Kurse ein. Die Frage nach einer Verstetigung oder Verbreitung wird bereits in einzelnen Ländern diskutiert. Der Diskussionsstand ist je nach politischen Konstellationen und Unterstützung durch die Entscheidungsträger höchst unterschiedlich. Es wird um die Fragen gehen: Was wird unternommen, um das Weiterbildungsmodell als Regeleinrichtung der Lehrer- und Sozialarbeiterfortbildung zu etablieren? Wie werden die Ergebnisse der Fortbildung auf andere Schulen übertragen und flächendeckend verbreitet? |
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| 6. Zusammenfassende Bewertung und Empfehlungen | |
Der Modellversuch „Berufs- und arbeitsweltbezogene Schulsozialarbeit“ hat das Ziel, Lehrer/innen und Schulsozialarbeiter/innen, die im Bereich der Berufsorientierung und der Berufsvorbereitung arbeiten, durch die Fortbildung zu einem gezielteren Umgang mit Bildungsbenachteiligung zu befähigen und damit einen Beitrag zur Bekämpfung von Bildungs- und Ausbildungsversagen bei Schülern/innen und Jugendlichen zu leisten. Das bisherige Produkt des Modellversuch ist ein ausgereifter und erprobter „Prototyp“, der - wie vielfältigen Erfahrungen mit der Implementierung und Durchführung der Kurse in acht Bundesländern gezeigt haben - kein einheitliches Fortbildungs-Modell „Berufs- und arbeitsweltbezogene Schulsozialarbeit“ darstellt. Im Gegenteil: Positiv wirkt sich aus, dass die jeweiligen Kurse in der Lage sind, sich den länderspezifischen Besonderheiten anzupassen. Denn so disparat die Rahmenbedingungen wie Trägerschaft, Schulstruktur, Zuständigkeiten im dem einzelnen Bundesland sind, so sehr wirkt sich die flexible Einsatzmöglichkeiten auf Lernerfolg der Teilnehmer/innen aus. Die Inhalte und Zielsetzungen der Fortbildung sollten dennoch im Kerncurriculum festgelegt sein (Vermittlung grundlegender Theorieansätze und Handlungskonzepte, Reflexion der eigenen Berufsrolle, Kennen lernen der relevanten Arbeitsansätze anderer Berufsgruppen, Förderung des Erfahrungsaustausches und der Kooperation, aktuelle Problemlagen von Schule und Jugendlichen), um einer Verwässerung des erfolgreichen Ansatz vorzubeugen. Sies bedarf eines entsprechenden Zeitrahmens. Für die Zeitdauer der Fortbildung erhalten die Teilnehmenden zahlreiche Anregungen und Unterstützung, können Ideen austauschen und voneinander lernen. Gewünscht wird von den Teilnehmenden eine weitere Plattform für „danach“. Zur fortlaufenden Unterstützung wäre ein jährliches Treffen derjenigen, die über das „neue“ Wissen verfügen, sich austauschen wollen und den neusten Stand erfahren können/wollen, sinnvoll. Seine Wirksamkeit erzielt der Tandemansatz aus der Spezialisierung beider Berufsgruppen auf Basis der Definition gemeinsamer Schnittstellen. Er nutzt die entstehenden Synergieeffekte zur erfolgreichen Problembewältigung („Das Ganze ist mehr als die Summe der Einzelelemente teile“). Allerdings können nicht nur Tandems erfolgreich sein, sondern auch Tridems (Triade) und Quartette. Entscheidend ist, dass im Lernprozess Konstellationen entstehen und Kooperationspartner zusammen kommen, die in einem gemeinsamen Arbeitszusammenhang stehen oder einen solchen aufbauen. Der Tandemansatz (inkl. Tridems und Quartette) ist daher unverzichtbar. Die Bildung von Tandems nur für den Zeitraum der Weiterbildung ist unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit nicht ausreichend. Die Modellversuchsergebnisse beinhalten über die individuelle Fortbildung hinaus auch das Potenzial zur nachhaltigen Verbesserung schulischer Qualität, das bislang nur in wenigen Fällen zur Entfaltung kam. Ein Transfer in den schulischen Kontext ergibt sich nicht automatisch. Hierzu bedarf es vor allem jedoch gezielter Anstrengungen zahlreicher Akteure und professioneller Transfermethoden, insbesondere wenn es um die Herbeiführung strukturelle Veränderungen geht. Um das weitergehende Ziel „Schulentwicklung“ konsequent zu verfolgen, stellt sich daher für die Weiterentwicklung die Frage nach zusätzlichen Zielgruppen. Die Stärkung von Schulsozialarbeit durch die Schulleitung kann eine schnellere und bessere Verankerung bedeuten. Fortbildungen für Schulleiter/innen und Leitungspersonal aus der Jugendhilfe anzubieten und mit Angeboten für diese Zielgruppen zu experimentieren sollte als Aufgabe des Modellversuchs hinzu kommen. Modelle hierfür gibt es bereits. Entscheidend hierbei ist die Erkenntnis, dass allein die Fähigkeit zur Kooperation nicht zu Kooperation führt. Ohne Beteiligung der Schulleitung ist eine konsequente „Pädagogisierung“ der Schule durch Einführung von Schulsozialarbeit nicht möglich. Im Verlauf des Modellversuches sollte weiter nach Formen und Schnittstellen gesucht werden, die eine Verstetigung von Kooperation zwischen individueller und institutioneller Ebene ermöglichen. Der inzwischen allseits bekannte „good practice-Ansatz“ wäre eine mögliche Methode zur Verbreitung erfolgreicher Modell und guter Erfahrungen. Bereits jetzt kann davon ausgegangen werden, dass nur in der Kombination
von der individuellen Wissensvermittlung bei den Teilnehmenden, dem Aufbau
von Kooperationsbeziehungen auf der institutionellen Ebene und der Bereitstellung
von Rahmenbedingungen auf der strukturellen Ebene wirklich eine zukunftsorientierte
Schul- bzw. Regionalentwicklung auf den Weg gebracht werden kann, zu dem
das Potenzial des Modellprojekts noch gezielter genutzt werden sollte. |
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